Die Hochtöne wurden gegenüber dem S2 deutlich entschärft. Man meint, das über dem ganzen Klangbild ein "Weichzeichner/Seidentuch" gelegt wurde.
Der S2 war mir eindeutig zu analytisch, direkt, schrill. Das macht mal eine Weile mit der richtigen Musik Spass, strengt aber nach kurzer Zeit sehr an.
Zurücklegen und bei klassischer Musik wegträumen ist da nicht möglich. Der S2e klingt hier etwas seidiger, sanfter. Allerdings überbügelt der Akustische "Weichzeichner" auch viele gewollte "Gänsehautstellen". Was bei dem S2 zu viel war, ist bei dem S2e "zu gut gemeint" - zu Kosten der Brillianz.
Der EQ ist leider arg spartanisch. Treble +1 hilft etwas.
Aber irgendwo fehlt dem Kopfhörer - so toll er auch erstmal klingt - die Grundfülle und Wärme im Vergleich zum Momentum 4 - man hört dafür aber jedes noch so kleine Detail, das beim MM4 nicht so auffällt. Aber man kann sich einfach nicht so in den Klang "reinlegen" und sich treiben lassen. Ich würde diese extreme Klarheit/Direktheit fast etwas als "aufdringlich" bezeichnen.
Als Vergleich hatte ich hier einen antiken MDR-CD3000 mit Verstärker - hier meint man jedes einzelne Instrument förmlich aus der Luft fischen zu können.
Es wird zwar beim S2(e) immer vom einer großen "Bühne" gesprochen, aber für meinen Geschmack bohrt sicher der Klang förmlich zwischen die Ohren. Beim S2 noch deutlich mehr als beim S2e. Der Klang ist spitze - aber einfach zu "nah".
Das ANC ist sehr gut, aber eindeutig hinter dem WH1000XM4 oder QC45. Der Ambientmodus ist klar und deutlich und gleichauf mit dem neuen QC Ultra oder dem XM5. Die XM4 oder QC45 sind hier schlechter/dumpfer.
Es ist ein super Kopfhörer - gar keine Frage. Die Haptik, die Bedienung per physischen Knöpfen. Der Tragekomfort... alles wunderbar - aber irgendwie fehlt dem Klang das kleine Quentchen "Liebe".
Und man hat keine (nennswerte) Möglichkeit, etwas zu ändern.
Man kauft sich so einen Kopfhörer sicher nicht als "Teams"-Telefoniergerät. Aber schön wäre es schon, wenn es funktioniert - das können andere aber besser.
Der Momentum 4 hat z.B. in der App die Option "Komfort Anruf". Das lässt den Gegenüber nicht mehr nach "Mono-Transistorradio" klingen, wie beim S2(e). Das klingt dann ganz natürlich warm und mit ein paar gefühlten Metern Abstand zum "gegenüber". Der S2 ist hier zu gnadenlos - besonders auffällig in Mehrfachkonferenzen. Wenn mehrere Leute im Wechsel reden hört man den Unterschied derer Mikrofone (hell, dumpf, belch, schrill, schnarrig) - nicht mit Abstand, sondern gefühlt 10cm vor der Nase.
Beim MM4 lässt sich der Sideton hinzuschalten und regulieren - und "Mute" ist ein einziger Knopfdruck.
Das vermisse ich beim S2e sehr.
Die Unterschiede zum S2 sind nicht groß - aber dennoch hörbar. Der S2 ist noch direkter im Kopf - und in den Höhen teils grausam bissig. Man hört den Unterschied zwischen beiden Varianten am auffälligsten bei Klavierstücken. Beim S2e muss man den Treble im "EQ" erhöhen, damit das Klavier nicht so klingt als stünde es im Nachbarraum. Beim S2 dagegen tun manche "Anschläge" richtig übetrieben weh im Ohr - reduziert man hier die Höhen etwas und nimmt etwas Bass dazu, kommt man gegen über dem CD3000 in Etwa hin... Aber eben nur "in Etwa"... Da fehlt die Weite.
Bei mir hat's jedenfalls nicht richtig "Klick" gemacht - vielleicht kommt ja noch ein Update oder ein paar Funktionen mehr in der App. Aber aktuell bin ich über die zu machenden Abstriche einfach nicht hinweg gekommen. Schweren Herzens, muss ich sagen... vielleicht gebe ich ihm irgendwann später noch mal eine Chance.